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| Ein wöchentlicher Newsletter, der Europa aus lokalen Perspektiven in den Blick nimmt. Jeden Freitag wird ein Thema von fünf unabhängigen Redaktionen beleuchtet. | | IN DIESER AUSGABE | §01 · Im Fokus — Die Gesundheit der Wälder Europas §02 · Der lokale Blick — Berlin, Riga, Warschau, Wien, und Zagreb §03 · Der Podcast — Jetzt die neueste Folge anhören und mitdiskutieren §04 · Aus den Redaktionen — Aktuelle Beiträge aus dem Netzwerk von lensEU |
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| §01 · IM FOKUS | Europas Wälder im Klimastress | Wälder bedecken etwa 40 Prozent Europas und bleiben zentral für das Leben der Menschen, die Wirtschaft, die Wassersysteme, die Biodiversität und die Klimaresilienz. Rund 90 Prozent der Europäer besuchen laut einer Umfrage der Universität Warschau aus dem vergangenen Jahr mindestens einmal jährlich einen Wald. Der Studie zufolge schätzen Menschen natürliche, vielfältige Wälder mit alten, hohen Bäumen, gemischten Beständen und einer reichen Struktur weit über ihren Holzproduktionswert hinaus.
Diese Eigenschaften stehen zunehmend unter Druck, da sich Europa etwa doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Daten von Copernicus zeigen, dass sich der Kontinent seit der vorindustriellen Zeit bereits um etwa 2,3 bis 2,4 °C erwärmt hat, verglichen mit rund 1,3 bis 1,4 °C weltweit. Die wärmeren Bedingungen machen Wetterextreme heftiger und unberechenbarer, wobei Brände, langanhaltende Dürren, Stürme und Insektenplagen zunehmend die Zukunft der Wälder prägen – oder stören, vielleicht auch zerstören.
Eine Studie aus dem Jahr 2026 in Science kommt zu dem Ergebnis, dass selbst bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf etwa 2 °C die jährlich gestörte Waldfläche bis zum Ende des Jahrhunderts von 180.000 auf rund 216.000 Hektar steigen könnte. Besonders Süd- und Westeuropa dürften die stärksten Veränderungen erleben, während Nordeuropa insgesamt weniger betroffen sein könnte, aber dennoch lokale Brennpunkte schwerer Schäden aufweisen dürfte. | Im vergangenen Jahr wurden in der EU mehr als 1.800 Waldbrände registriert, die etwa 38 Millionen Tonnen CO₂ freisetzten. In Spanien und Portugal brannten 640.000 Hektar – etwa 1 Prozent der Iberischen Halbinsel – unter Bedingungen, die im heutigen Klima etwa einmal alle 15 Jahre zu erwarten sind.
Anpassung ist daher unvermeidlich, wenn Europa einen irreversiblen Verlust seiner Waldflächen vermeiden will. Wälder werden sich verändern, die traditionelle auf Holzproduktion ausgerichtete Bewirtschaftung wird unter Druck geraten, und der Schutz größerer Flächen, die Stärkung der Widerstandsfähigkeit sowie die Bewertung der Wälder als Ressource für Wasser, Kühlung, Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität und gesellschaftliches Wohlbefinden werden zunehmend unverzichtbar.
| Wojciech Kość, Journalist, OKO.press |
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| | | Berlin · Deutschland · CORRECTIV | Wie gesund sind Deutschlands Wälder? | Die Gesundheit der deutschen Wälder ist eng mit den Folgen des Klimawandels verknüpft. Obwohl die jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland seit 1881 um rund 8 Prozent gestiegen ist, leiden viele Regionen unter zunehmender Trockenheit. Der Grund: Die Winter werden nasser, während die Sommer häufiger trocken und heiß ausfallen. Seit 2018 haben mehrere Dürrejahre Wälder, Landwirtschaft und Wasserhaushalt stark belastet. Mehr Regen im Jahresdurchschnitt und zunehmende Dürre sind daher kein Widerspruch, sondern zwei Seiten desselben Klimawandels. | Die Folgen sind in den Wäldern deutlich sichtbar. Trockenheit, Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer haben große Waldflächen geschädigt. Dadurch verlieren die Wälder zunehmend ihre Funktion als Kohlenstoffsenke. In manchen Jahren haben deutsche Wälder sogar mehr Kohlendioxid freigesetzt als gespeichert.
Gleichzeitig zeigt sich weltweit ein Ungleichgewicht: Wälder nehmen zwar jährlich etwa fünf bis acht Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid auf, die Menschheit verursachte jedoch alleine im Jahr 2022 mehr als 37 Milliarden Tonnen Emissionen. In den letzten Jahren dürften es jedoch bereits mehr gewesen sein. Das zeigt ein Faktencheck von CORRECTIV.
Wälder können den Klimawandel also theoretisch abmildern, ihn aber nicht allein kompensieren. Und genau hier zeigt sich der enge Zusammenhang zwischen dem menschlichen Handeln und den Forderungen, die sie an die begrenzten Kompensierbarkeit der Natur stellen.
Hinzu kommt ein wachsender Konflikt um die Ressource Wasser. Besonders deutlich wird dies im Hessischen Ried bei Darmstadt. Vor vier Jahren wurde dort vor Gericht darüber gestritten, ob jahrzehntelange Grundwasserentnahmen durch den Wasserversorger Hessenwasser zum Absterben von Waldflächen von rund 13.000 Hektar beigetragen haben.
Die Klimaredaktion von CORRECTIV hat 2022 rund 350 Gerichtsverfahrenzu Wasserkonflikten ausgewertet. Das Ergebnis: In den zehn Jahren des Untersuchungszeitraums nahmen die gerichtlichen Konflikte um Wasser im Vergleich zu den zehn Jahren davor in 11 von 16 Bundesländern zu. Allein im Bundesland Hessen stieg die Anzahl der gerichtlichen Verfahren rund um Wasser von 8 auf 14 im Vergleich zu den zehn Jahren davor.
Ein Fall, den sich das Team damals näher angeschaut hat, war der Darmstädter Westwald. Dort sind zahlreiche alte Buchen und Eichen geschädigt oder abgestorben. Während Umweltverbände und Forstexperten die Wasserentnahmen kritisch sehen, verweist der Versorger auf Maßnahmen wie die Anreicherung mit aufbereitetem Rheinwasser.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie der Klimawandel bestehende Nutzungskonflikte in Deutschland verschärft und die Interessen der Trinkwasserversorgung, der Landwirtschaft und des Waldschutzes zunehmend in Konkurrenz geraten lässt.
Lilith Grull, Internationale Reporterin, CORRECTIV |
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| | Riga · Lettland · TVNET | Klima, Feuer und Borkenkäfer: Was Lettlands Wälder bedroht | Forstwirtschaft, Holzverarbeitung und Möbelproduktion tragen zusammen bis zu 6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Lettlands bei. Die Exporte des Sektors belaufen sich auf 3,3 Milliarden Euro und machen damit 17 Prozent der gesamten Exporte des Landes aus.
Obwohl Wälder mehr als die Hälfte des lettischen Staatsgebiets bedecken – insgesamt 3,4 Millionen Hektar – sind sie durch mehrere Faktoren bedroht.
Der Klimawandel ist ein wesentlicher Teil des Problems. Er begünstigt die Ausbreitung von Waldschädlingen, insbesondere des Fichtenborkenkäfers, und könnte künftig sogar die Vielfalt der in Lettland wachsenden Baumarten verringern.
Auch Brände stellen eine ernsthafte Bedrohung für Lettlands Wälder dar. Bis Mitte Mai wurden im Land bereits 169 Waldbrände registriert und gelöscht, die sich auf eine Gesamtfläche von 170 Hektar erstreckten. Davon entfielen 40,6 Hektar auf junge Aufforstungen. Bis zu 90 Prozent aller Waldbrände werden durch menschliches Handeln oder Fahrlässigkeit verursacht. Und während der Kampf gegen den Klimawandel ein globales Vorgehen erfordert, kann dennoch jede und jeder Einzelne durch umsichtiges Verhalten zum Schutz der Wälder beitragen.
Gleichzeitig bleibt auch die Regierung nicht untätig. Die Forstwirtschaft und die zuständigen Behörden passen die Waldbewirtschaftung an: Es werden klimaresistentere Setzlinge gepflanzt und die Anlage von Mischwäldern gefördert, um die Risiken durch Krankheiten und Schädlinge zu verringern.
Von einem Happy End ist Lettland jedoch noch weit entfernt. Während Nichtregierungsorganisationen eine Verringerung des Holzeinschlags fordern, argumentieren Waldbesitzer – nicht ohne Grund –, dass übermäßige Einschränkungen der Forstwirtschaft der lettischen Wirtschaft schaden könnten.
Der Kampf um die Rettung der lettischen Wälder geht weiter.natis mollis.
Andrijs Timofiejevs, TVNET GRUPA |
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| | Warschau · Polen · OKO.press | Polnische Kiefern geraten durch die Erderwärmung an ihre Grenzen | Polens Wälder geraten in dieselbe klimabedingte Krise, die Wälder in ganz Europa verändert. Besonders anfällig sind sie, weil sie – ähnlich wie die Wälder Lettlands – zu einem großen Teil aus Baumarten wie der Kiefer bestehen, die unter den Bedingungen eines sich erwärmenden Klimas zunehmend an ihre Grenzen stößt. | Die Schäden sind bereits sichtbar. Im April warnten Förster, die die Wälder in der Nähe von Warschau bewirtschaften, dass professionelle Waldinventuren und Drohnenüberwachungen gezeigt hätten, dass Kiefernwälder in großem Ausmaß zerstört werden.
„Noch vor Kurzem starben nur wenige Bäume ab. Heute ist die Zahl der abgestorbenen und absterbenden Kiefern überwältigend“, erklärten sie. Ähnliche Warnungen kommen aus dem ganzen Land, dessen Fläche zu 30 Prozent von Wäldern bedeckt ist.
Der Fall Polen ist auch ein politischer. Die staatliche Forstverwaltung erwirtschaftet jedes Jahr Milliardeneinnahmen aus dem Holzverkauf und ist damit ein wertvolles politisches Gut für diejenigen, die Wahlen gewinnen und die Macht übernehmen.
Doch sie hat zu langsam auf Forderungen nach stärkerem Schutz der Waldgebiete, besserer Wasserrückhaltung und leichterm Zugang zu Wäldern in der Nähe großer Städte reagiert. Diese scheinbar naheliegenden Lösungen werden häufig aus politischen Gründen infrage gestellt, weil sie als nachteilig für die Holzproduktion und die lokale Wirtschaft gelten.
Wojciech Kość, Journalist, OKO.press |
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| | Wien · Österreich · Die Presse | Der Wald hilft nicht mehr wie früher | Fast die Hälfte Österreichs ist mit Wald bedeckt. Das freut nicht nur Tiere, Naturliebhaber, Jäger und Forstwirte, sondern auch die heimische Politik. Denn wachsen die Bäume im Wald, binden sie Kohlenstoff aus der Atmosphäre und helfen dem Land so, die Klimavorgaben der EU zu erfüllen. So war es zumindest bisher fast immer.
Die aktuellen Ergebnisse der Waldinventur zeigen, dass die sogenannten Vorratsfestmeter – also das stehende Holz im Wald exklusive Totholz – in der aktuellsten Erhebungsperiode 2018/23 zurückgegangen sind. Grund ist der Klimawandel. „Für die letzten Jahre zeigen sich nun erstmalig die Auswirkungen des Klimawandels auf den Holzvorrat im österreichischen Wald. Dieser liegt im Ertragswald aktuell bei 1174 Mio. Vorratsfestmetern“, sagt Alexandra Freudenschuß, Leiterin der Waldinventur am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).
Ist weniger Holz im Wald vorhanden, kann auch weniger CO2 in den heimischen Wäldern gebunden werden. Hitze, Dürre, Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer führten dazu, dass besonders viele Bäume abstarben und als Schadholz verwertet werden mussten. Die anhaltende Trockenheit ließ die übrigen Bäume weniger stark nachwachsen, und die ausgetrockneten Böden emittierten zusätzlich mehr Treibhausgase.
Die extremen Klimabedingungen haben die vergangenen Jahre geprägt. Für die Republik ist das vor allem relevant, weil die Emissionen aus der Landnutzung (LULUCF) auch zu den EU-Klimazielen angerechnet werden. Bisher war der Sektor für Österreich stets eine bedeutende Kohlenstoffdioxid-Senke. Sprich: Einen Teil der Treibhausgase, die die Bäume gebunden hatten, konnte das Land zusätzlich ausstoßen, ohne seine Verpflichtungen zu verfehlen. Von 1990 bis 2022 konnte Österreich im Schnitt zwar jedes Jahr noch 11,8 Millionen Tonnen seiner Treibhausgasemissionen durch den Wald ausgleichen. Aber im Zeitverlauf verringerte sich die klimaschützende Kraft des Waldes um 80 Prozent.
Melanie Klug und Matthias Auer, Wirtschaftsredakteure, Die Presse |
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| | Zagreb · Kroatien · Telegram.hr | Bäume, Liebeslieder und Schüsse | Einerseits gehören die Wälder zu Kroatiens größten Schätzen. Nach der jüngsten nationalen Waldinventur sind 53 Prozent der Landesfläche bewaldet – deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von rund 40 Prozent. Zudem werden die Wälder Kroatiens im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern, in denen angelegte Monokulturwälder überwiegen, von einem hohen Grad an Natürlichkeit geprägt. Rund 97 Prozent der Waldfläche bestehen aus mehrschichtigen Mischwäldern, die ökologisch widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel und natürlichen Störungen sind.
Andererseits werden die Folgen des Klimawandels immer kostspieliger. Bestimmte Baumarten, insbesondere die Schmalblättrige Esche, gehen aufgrund veränderter Grundwasserverhältnisse und von Pilzkrankheiten zurück und sterben ab. Auch die Stieleiche hat durch Extremwetterereignisse erhebliche Schäden erlitten. Während eines schweren Sturms im Jahr 2023 wurden innerhalb weniger Stunden mehr als eine Million Bäume geknickt oder entwurzelt. Der entstandene Schaden wird auf rund 136 Millionen Euro geschätzt. Gleichzeitig weiten sich durch die immer häufigeren sommerlichen Waldbrände in den Küstenkiefernwäldern die kahlen Karstflächen aus.
Hinzu kommt, dass nach einer aktuellen Umfrage fast die Hälfte der Befragten nicht wusste, dass Wälder dazu beitragen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Entsprechend spielen der Zustand der Wälder und ihre Bewirtschaftung in der politischen Debatte nahezu keine Rolle.
Es sei denn, es geht um Korruption. Im September vergangenen Jahres wurden 14 Beschäftigte und Führungskräfte des staatlichen Forstunternehmens Hrvatske šume festgenommen. Sie stehen im Verdacht, im Zusammenhang mit dem Verkauf von Holz Bestechungsgelder in Höhe von 100.000 Euro angenommen zu haben.
Gleichzeitig wird um die Kontrolle über Kroatiens umfangreiche Waldressourcen auch politisch gerungen. Nach der Parlamentswahl 2024 trat die rechtsextreme Heimatbewegung (Domovinski pokret) der Regierungskoalition bei. Sie übernahm das Landwirtschaftsministerium, zu dessen Zuständigkeit – laut der angeblich existierenden, aber nie veröffentlichten Koalitionsvereinbarung – auch die Aufsicht über das staatliche Forstunternehmen Hrvatske šume gehören sollte. Der größere Koalitionspartner HDZ wollte jedoch nur ungern auf einen so wertvollen Machtfaktor verzichten.
Anfang vergangenen Jahres eskalierte der Konflikt. Die Heimatbewegung forderte die Kontrolle über Hrvatske šume und beschuldigte dessen Führung, eine Art Diebesbau zu betreiben. Der Konflikt fiel zeitlich mit der Veröffentlichung eines Videos zusammen, das den Landwirtschaftsminister zeigte, wie er aus einem fahrenden Auto in die Luft schoss, während Liebeslieder liefen. Der Minister musste zurücktreten. Doch erst zehn Monate später gelang es der Heimatbewegung, die vollständige Kontrolle über Hrvatske šume zu übernehmen. Inzwischen ist das Forstunternehmen aus dem öffentlichen Fokus verschwunden. Die Regierungskoalition streitet mittlerweile über andere Themen.
Jasmin Klarić, Journalist, Telegram.hr |
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| §03 · DER PODCAST | | Auf Wiedersehen Kiefer, auf Wiedersehen Fichte: Wie Europas Wälder sterben | „Im vergangenen Sommer verbrannten in ganz Europa mehr als 1 Million Hektar Wald – eine Fläche von der Größe Zyperns. Nahezu jeder Mitgliedstaat war betroffen, selbst das weit im Norden gelegene Schweden. Im vergangenen Jahr wurde unser Katastrophenschutzverfahren wegen Waldbränden in Europa und den Nachbarländern 18-mal aktiviert – so häufig wie noch nie.“ | |
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| §04 · AUS DEN REDAKTIONEN |
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