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| Ein wöchentlicher Newsletter, der Europa aus lokalen Perspektiven in den Blick nimmt. Jeden Freitag wird ein Thema von fünf unabhängigen Redaktionen beleuchtet. | | IN DIESER AUSGABE | §01 · Im Fokus — Trocknet Europa aus? §02 · Der lokale Blick — Berlin, Riga, Warschau, Wien, und Zagreb §03 · Der Podcast — Jetzt die neueste Folge anhören und mitdiskutieren §04 · Aus den Redaktionen — Aktuelle Beiträge aus dem Netzwerk von lensEU |
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| §01 · IM FOKUS | Trocknet Europa aus? | Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen: Die Sommertemperaturen sind dieses Jahr ungewöhnlich früh aufgetreten. Die Temperaturen stiegen rasch an, die Sonnentage häuften sich, und Niederschläge schienen rar zu sein. Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent, und diese rasante Erwärmung verändert die Art und Weise, wie sich Wasser durch die Landschaften bewegt, grundlegend. | Die Folgen werden immer sichtbarer. Die Flusspegel sinken, die Böden trocknen früher im Jahr aus, und Landwirte haben Schwierigkeiten, die Anbaubedingungen vorherzusagen. Das hat entscheidende Folgen: In ganz Europa ist Dürre nicht mehr nur ein gelegentliches Sommerproblem. | Um das Ausmaß dieses Wandels zu verstehen, hat CORRECTIV.Europe Dürredaten aus ganz Europa analysiert. Das Team, das sich auf überregionale und datengestützte Recherchen spezialisiert hat, untersuchte die Dürrebedingungen zwischen 2012 und 2026 anhand von Informationen aus dem Erdbeobachtungsprogramm „Copernicus“ der Europäischen Union. Die Analyse umfasste Länder des Europäischen Wirtschaftsraums sowie das Vereinigte Königreich, Albanien, Nordmazedonien und Serbien. | Die Ergebnisse sind alarmierend. Zwei Drittel aller Regionen waren besonders stark von Dürren betroffen. In diesen Regionen gab es mindestens ein Jahr, in dem die Hälfte der Tage deutlich zu trocken war. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie der Klimawandel Landschaften, Landwirtschaft und Volkswirtschaften auf dem gesamten Kontinent verändert. | Die Daten kombinieren Messungen von Niederschlag, Bodenfeuchte und Vegetationszustand und liefern damit eines der umfassendsten Bilder der Dürre in ganz Europa. Zusammen zeigen sie einen Kontinent, der vor einem tiefgreifenden Wandel seines Wasserkreislaufs steht. | Der Wasserkreislauf verändert sich | Wissenschaftler warnen schon seit Jahren davor: Mit steigenden globalen Temperaturen kann die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Dies erhöht die Verdunstung aus Böden, Flüssen, Seen und Stauseen. Infolgedessen verlieren Landschaften Wasser schneller, als sie es wieder aufnehmen können. | Entscheidend ist, dass Dürre nicht nur eine Frage des Niederschlags ist. Hitze ist ein ebenso wichtiger Faktor. Selbst in Jahren, in denen die Niederschlagsmengen nahe am Durchschnitt liegen, können außergewöhnlich hohe Temperaturen Böden austrocknen, die Vegetation belasten und den Wasserbedarf in ganzen Regionen erhöhen. | Gleichzeitig verändern sich die Winter in Europa. In vielen Regionen fällt weniger Schnee und an manchen Orten auch weniger Regen. Unter normalen Bedingungen sollten sich die Grundwasservorräte ebenso wie Flüsse und Böden wieder auffüllen. Wenn dies ausbleibt, starten die Landschaften bereits mit einem Defizit ins neue Jahr. | Auch die Niederschlagsverteilung verändert sich. Lange Trockenperioden werden zunehmend von heftigen Regenfällen unterbrochen. Zwar können diese die Dürrebedingungen vorübergehend lindern, doch ein Großteil des Wassers fließt schnell ab, anstatt tiefer in den Boden einzudringen und die Grundwasservorräte aufzufüllen. | Der Klimawandel wirkt sich daher in zweierlei Hinsicht aus: Er verringert die Zuverlässigkeit der Wasserversorgung und erhöht gleichzeitig den Bedarf. Die Folge ist ein wachsendes Risiko längerer, intensiverer und häufigerer Trockenperioden. | Hier ist es wichtig, zwischen Dürre und Wasserknappheit zu unterscheiden – zwei Begriffe, die oft verwechselt werden. Dürre bezeichnet einen natürlichen Wassermangel, der durch Wetter- und Klimabedingungen verursacht wird. Wasserknappheit tritt auf, wenn der Wasserverbrauch die Menge übersteigt, die nachhaltig bereitgestellt werden kann. Dürre kann Wasserknappheit verschärfen, Letzteres kann auch in Gebieten auftreten, die nicht unter akuter Trockenheit leiden, wenn der Bedarf von Haushalten, Landwirtschaft oder Industrie zu hoch wird. | Die Kosten der Trockenheit | Die Folgen von Dürre reichen weit über die Landwirtschaft hinaus. Wenn Böden austrocknen und Flüsse zurückgehen, spürt die gesamte Volkswirtschaft die Auswirkungen. Wälder werden anfälliger für Schädlinge und Waldbrände. Binnenwasserstraßen werden unzuverlässiger. Die Trinkwasserversorgung gerät unter Druck. Wasserabhängige Industriezweige stehen vor wachsenden Herausforderungen. Städte werden heißer und sind während anhaltender Hitzewellen schwerer bewohnbar. | Vor allem schutzbedürftige Gruppen sind davon betroffen: Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders anfällig für anhaltende Hitze und Wasserknappheit. | Die wirtschaftlichen Kosten sind bereits erheblich. Allein im Jahr 2025 verursachten extreme Wetterereignisse in ganz Europa Schäden in Höhe von schätzungsweise 43 Milliarden Euro. Diese Verluste waren nicht ausschließlich auf Dürre zurückzuführen, sondern auch auf damit verbundene Ereignisse wie Hitzewellen und Überschwemmungen nach starken Regenfällen. Da mehrere klimabedingte Extremereignisse oft gleichzeitig auftreten, lässt sich nicht genau bestimmen, welcher Anteil der Schäden direkt auf Trockenheit zurückzuführen ist. | Sicher ist jedoch, dass die Kosten steigen. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur könnten die jährlichen Verluste im Zusammenhang mit klimabedingten Extremereignissen bis 2029 etwa 126 Milliarden Euro erreichen, wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen. | Die Landwirtschaft an vorderster Front | Kaum ein Bereich ist der Dürre stärker ausgesetzt als die Landwirtschaft, da sie fast 60 Prozent des Wasserverbrauchs in Europa ausmacht. Nutzpflanzen sind in kritischen Wachstumsphasen auf ausreichende Bodenfeuchtigkeit angewiesen, wodurch die landwirtschaftliche Produktion äußerst empfindlich auf anhaltende Trockenperioden reagiert. | In Teilen Europas haben schwere Dürren bereits die Erträge wichtiger Kulturpflanzen wie Weizen, Mais und Gerste verringert. Geringere Ernten wirken sich nicht nur auf die Einkommen der Landwirte aus. Sie können zu höheren Lebensmittelpreisen beitragen, die Abhängigkeit von Importen verstärken und Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Lebensmittelversorgung schaffen. | Da Trockenperioden immer häufiger auftreten, sind viele Landwirte gezwungen, sich anzupassen. Einige ändern ihre Aussaatpläne. Andere investieren in Bewässerungssysteme oder stellen auf Dürre-resistentere Pflanzensorten um. | CORRECTIV.Europe sprach für im Zuge der Recherche mit dem Landwirt Felix Riecken. Er ist in Schleswig-Holstein im Norden Deutschlands ansässig, wo die Anpassung für ihn eher eine Notwendigkeit als eine Wahl wurde. | Im Jahr 2018 brachte eine außergewöhnlich schwere Dürre seinen Familienbetrieb an den Rand des Ruins. Das Vieh musste früher als geplant geschlachtet werden. Das Silagefutter für die Tiere musste drei Monate früher als üblich herangezogen werden. Daher musste zusätzlich konventionelles Futter gekauft werden. Als zertifizierter Biobetrieb musste die Familie eine Sondergenehmigung beantragen. Zudem ging die Milchproduktion deutlich zurück. Der Betrieb erlitt laut Riecken finanzielle Verluste von bis zu 150.000 Euro. | Rieckens Erfahrung war keineswegs ein Einzelfall. Von CORRECTIV.Europe befragte Experten berichten von Ernteausfällen, Wasserknappheit und wirtschaftlichen Verlusten in ganz Europa. Doch seine Geschichte geht über die bloßen Statistiken hinaus. Sie zeigt, was der Klimawandel für die Menschen bedeutet, deren Lebensgrundlage direkt vom Boden abhängt. | Anstatt wiederholte Verluste als unvermeidlich hinzunehmen, änderte Riecken seine Bewirtschaftungsweise grundlegend: Inspiriert von der Beobachtung, dass Hecken auch in Trockenperioden grün blieben und Feuchtigkeit speicherten, begann er, den Milchviehbetrieb in ein Agroforstsystem umzuwandeln: Überall auf dem Gelände wurden Bäume und Sträucher gepflanzt, um die Wasserspeicherung zu verbessern, die Verdunstung zu verringern und die Bodengesundheit zu schützen. | Heute betreibt die Familie fünf Agroforstsysteme. Riecken beschreibt diesen Ansatz als den Aufbau von Ökosystemkapital – also als Investition in die langfristige Widerstandsfähigkeit des Bodens, anstatt sich ausschließlich auf kurzfristige Erträge zu konzentrieren. | Der Wandel war nicht einfach. Er erforderte jahrelange Arbeit, erhebliche Investitionen und die Unterstützung von Kunden, die bereit waren, eine andere Art der Landwirtschaft zu fördern. Doch er gibt Einblick darin, wie sich die Landwirtschaft in einem heißeren und trockeneren Europa möglicherweise weiterentwickeln muss. | Anpassung an eine neue Realität | Riecken ist der Ansicht, dass Landwirte die Last der Anpassung nicht allein schultern können. Er argumentiert, dass Regierungen und die Gesellschaft die wachsenden Risiken des Klimawandels anerkennen und langfristige Lösungen stärker unterstützen müssen. | Aktuelle Fördersysteme, so sagt er, belohnen oft keine Maßnahmen, die die ökologische Widerstandsfähigkeit über Jahrzehnte hinweg verbessern. Doch solche Investitionen könnten sich als unerlässlich erweisen, wenn Europa die Nahrungsmittelproduktion aufrechterhalten und sich gleichzeitig an ein sich wandelndes Klima anpassen will. | Generell argumentieren Experten, dass eine Anpassung in der gesamten Gesellschaft notwendig sein wird. Klima-resiliente Stadtplanung, die Verringerung der Bodenversiegelung, die Renaturierung von Feuchtgebieten und die Verbesserung der natürlichen Wasserrückhaltung gehören zu den Maßnahmen, die dazu beitragen könnten, künftige Auswirkungen zu begrenzen. | Die effiziente Wassernutzung wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ebenso wie Investitionen in das Grundwassermanagement, nachhaltige Bewässerungssysteme und eine Infrastruktur, die für ein variableres Klima ausgelegt ist. | Anpassung allein wird das Problem nicht lösen | Der zugrunde liegende Treiber bleibt der Klimawandel. Jeder verhinderte Grad der Erwärmung verringert die Risiken im Zusammenhang mit Hitzewellen, Dürre, Wasserknappheit und der Verschlechterung von Ökosystemen. | Die Erkenntnisse aus den europäischen Dürredaten lassen eine klare Schlussfolgerung zu: Dürre ist keine gelegentliche Wetteranomalie mehr. Sie entwickelt sich zu einem strukturellen Merkmal des europäischen Klimas. | Wasser kann nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden. Was einst als Ausnahme galt, wird zunehmend zur Normalität. Die Herausforderung für Europa besteht nicht einfach darin, auf einzelne Trockenperioden zu reagieren, sobald sie auftreten, sondern sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Wasserknappheit zur wiederkehrenden Realität wird. | Lilith Grull, Internationale Reporterin, CORRECTIV |
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| | | Berlin · Deutschland · CORRECTIV | Gefahren durch Dürre in Deutschland nehmen zu | In der Vergangenheit war Deutschland weniger von Trockenperioden betroffen als einige andere europäische Länder; doch die Folgen werden immer schwerwiegender. Laut einer Analyse von CORRECTIV.Europe liegt Deutschland bei moderaten Dürrebedingungen auf Platz 21 und bei akuten Dürreereignissen zwischen 2012 und 2026 auf Platz 16 von 35 Ländern. Experten warnen jedoch davor, die Risiken zu unterschätzen, zumal der Klimawandel die Bedingungen für Trockenheit in den kommenden Jahren voraussichtlich verschärfen wird. | Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2026 haben sich die Herausforderungen deutlich gezeigt: Nach einem Winter mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen und einem außergewöhnlich trockenen Frühjahr leiden viele Regionen unter geringer Bodenfeuchtigkeit und sinkenden Grundwasservorkommen. Ein Beispiel, das in den letzten Wochen große Aufmerksamkeit erregt hat, ist Jülich in Nordrhein-Westfalen, wo die Einwohner im Mai angesichts der sich verschärfenden Dürrebedingungen aufgefordert wurden, Wasser zu sparen. | Mehr über die Datenanalyse, die Frage, ob man sich gegen Dürre versichern kann, die Rolle von Agrarsubventionen und die Geschichte von Felix Riecken lesen Sie in der vollständige Untersuchung von CORRECTIV.Europe – verfügbar sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch. Dort finden Sie auch einen interaktiven Atlas, mit dem Sie sehen können, wie sich die Dürre auf Ihre Region ausgewirkt hat. | Lilith Grull, Internationale Reporterin, CORRECTIV |
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| | Riga · Lettland · TVNET | Dürre ist mehr als nur trockener Boden | In Lettland beschweren wir uns meistens eher über Regen als über dessen Ausbleiben. Feuchte Sommer, durchnässte Felder und grauer Himmel gehören fast schon zu unserer klimatischen Identität. Genau deshalb wird Dürre in Lettland oft eher als vorübergehende Unannehmlichkeit denn als ernst zu nehmendes Risiko angesehen. Doch die letzten Jahre zeigen eine andere Realität. | Im Jahr 2018 wurde eine anhaltende Trockenperiode im Agrarsektor zur Naturkatastrophe von nationalem Ausmaß erklärt, und die Verluste der Landwirte wurden auf rund 359 Millionen Euro geschätzt. Das war nicht nur eine Statistik: Getreidebauern, Gemüseanbauer, Gartenbaubetriebe und Viehzüchter waren betroffen – und letztendlich auch die Verbraucher, denn eine geringere Ernte bedeutet Druck auf die Lebensmittelpreise. | Das Jahr 2023 hat uns daran erinnert, dass dies kein Einzelfall war. Der Mai war der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen; der Juni gehörte zu den trockensten Monaten, die je verzeichnet wurden; und für die Getreideernte wurde ein Rückgang um 30 bis 50 Prozent erwartet. Die Dürre führte zu Futtermittelknappheit, ausgetrockneten Weiden, finanziellen Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe und sogar zur Gefahr einer Verkleinerung der Viehbestände. In den Städten mussten die Kommunen mehr Geld für die Bewässerung von Grünflächen ausgeben; in ländlichen Gebieten versiegten die Brunnen; und in Wäldern und Mooren stieg die Brandgefahr. | Deshalb ist die Dürre in Lettland nicht mehr nur eine Wettergeschichte. Es geht um Lebensmittel, Preise, ländliche Betriebe, Wasser, Brandschutz und die Einsicht, dass Klimarisiken bereits Realität sind – selbst in einem Land, in dem Regen einst selbstverständlich schien. | Toms Ostrovskis, Chefredakteur, TVNET GRUPA |
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| | Warschau · Polen · OKO.press | Polens Dürre ist hausgemacht | Polens Dürreproblem ist mittlerweile weniger eine Abfolge schlechter Sommer als vielmehr eine ausgewachsene Krise. Das Land verfügt über einige der geringsten erneuerbaren Süßwasserressourcen in Europa – von 2015 bis 2023 lagen diese bei nur etwa 1.100 bis 1.600 Kubikmetern pro Person und Jahr und fielen in einigen Gebieten unter die von der UNO festgelegte Schwelle für Wasserknappheit. Ein wärmeres Klima verstärkt die Verdunstung und führt zu einer Verschiebung der Niederschläge hin zu längeren Trockenphasen, die von heftigeren Regengüssen unterbrochen werden – ganz zu schweigen davon, dass schneefreie Winter zur neuen Norm werden. | In der Praxis fließt ein Großteil des Wassers, das Polen erhält, zu schnell ab, um die Bodenfeuchtigkeit und das Grundwasser wieder aufzufüllen. Durch jahrzehntelange Entwässerung, Flussbegradigung, Grabenräumung, Umwandlung von Feuchtgebieten, Rodung von Bäumen und Versiegelung städtischer Flächen wurde Wasser eher als etwas betrachtet, das beseitigt statt gespeichert werden muss. Sogenannte Flusspflegearbeiten können Flussbette vertiefen und den Abfluss beschleunigen, was sowohl die Dürre stromaufwärts als auch das Hochwasserrisiko stromabwärts verschlimmert. Die Ironie dabei ist, dass diese Arbeiten von den zuständigen Institutionen oft als Maßnahmen zur Bekämpfung von Dürre angepriesen werden. | Die Lösung besteht nicht nur in mehr Stauseen. Wissenschaftler, NGOs und Anwohner drängen die Entscheidungsträger seit Langem darauf, die Speichermöglichkeiten von Wasser in der gesamten Landschaft durch einfache, relativ kostengünstige und lokal begrenzte Maßnahmen zu verbessern. Dazu gehören die Wiederherstellung von Feuchtgebieten und Auen, die Renaturierung von Flüssen, die Wiederansiedlung von Feldbäumen und Teichen, der Schutz der Böden sowie die Ermöglichung, dass Biber einige der kostengünstigsten kleinen Dämme errichten, die es gibt. Es ist sogar eine Bürgerbewegung entstanden, die Entwässerungsgräben wieder auffüllt - manchmal durch beinahe Guerilla-artige Aktionen. | Politisch gesehen sollten Landwirte Anreize erhalten, Feuchtgebiete und Feuchtwiesen zu erhalten oder wiederherzustellen, anstatt jeden nutzbaren Hektar in Ackerland umzuwandeln. Die Wasserwirtschaft sollte von einem „Infrastruktur-zuerst“-Ansatz zu einem Ansatz der Umweltsicherheit übergehen, einschließlich einer Neufassung der Vorschriften für Binnengewässer und einer Aufsicht durch das Klima- und Umweltministerium statt durch das Infrastrukturministerium, wie es heute der Fall ist. | Wojciech Kość, Reporter für Klimakrise, Energie und Umwelt, OKO.press |
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| | Wien · Österreich · Die Presse | Wie Dürre Österreichs größten Schatz gefährdet | Verglichen mit den allermeisten Staaten ist Österreich in einer glücklichen Lage: Knapp hundert Milliarden Kubikmeter Niederschlag fallen jedes Jahr auf das Land. Saubere Flüsse und Seen sorgen für 60 Prozent des Stroms, locken Touristen an und decken den Wasserbedarf der Bürger, der Landwirtschaft und der Industrie. Eine sichere Wasserversorgung ist auch ein Argument für internationale Konzerne. Durch die zunehmende Trockenheit ist Österreichs Wirtschaftsstandort gefährdet. | „Unsere Volkswirtschaften sind darauf aufgebaut, dass genug Regenwasser da ist“, warnt Johan Rockström von der Global Commission on the Economics of Water. Anders als in vielen anderen Ländern geht diese Rechnung in Österreich noch auf. 3,14 Milliarden Kubikmeter Wasser werden jährlich verbraucht, über fünf Milliarden Kubikmeter wären theoretisch jedes Jahr an Grundwasser verfügbar. Diese Ressource gilt es zu wahren, denn die Lage wird auch in Österreich nicht einfacher. | Bisherige Studien zeigen zwar, dass das Land auch 2050 noch ein wasserreicher Standort sein wird. Allerdings mit großen Unterschieden bei der regionalen Verteilung. Der Osten wird stärker mit Dürren zu kämpfen haben als der Westen. | Der Wasserbedarf der Industrie wird bei etwa 70 Prozent bleiben. Jener der Landwirtschaft dürfte hingegen stark steigen, erwartet das Umweltbundesamt. Vor allem in Hitzesommern und nach trockenen Wintern wäre die Versorgungslage im Osten rasch angespannt. | Beobachter pochen seit Jahren auf ein digitales Wasserentnahme-Register und eine Strategie, wer im Ernstfall zuerst versorgt würde. Bei Knappheit müssten derzeit die örtlichen Bürgermeister darüber entscheiden, damit die Menschen ausreichend Trinkwasser haben. | Ist Wasser in Österreich zu günstig? Die meisten Nutzer bezahlen nur die Infrastruktur. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie empfiehlt höhere Wasserpreise, um den Verbrauch zu steuern. Vertreter der Industrie und der Landwirtschaft fürchten, mit dem günstigen Wasser auch ihre Standortvorteile zu verlieren. Andere sehen in einer stärkeren Bepreisung den ersten Schritt zur Privatisierung. Ein hochsensibles Thema. | Matthias Auer, Redakteur Economist, Die Presse |
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| | Zagreb · Kroatien · Telegram.hr | Kroatien verliert jedes Jahr Wasser im Wert von einer halben Milliarde Euro | In Kroatien wird bereits ein Drittel der Gesamtschäden durch extreme Wetterereignisse durch Dürre verursacht - ein schleichendes Naturphänomen, das sich langsam entwickelt. Das Land hat jedoch noch keinen klaren Maßnahmenplan für anhaltende Trockenperioden: Obwohl es immer häufiger zu saisonalen Wasserknappheiten kommt, wird sein Reichtum verschwendet, als gäbe es kein Morgen. | Was passieren kann, wenn eine Dürre eintritt und der Regen ausbleibt, lässt sich wie folgt zusammenfassen: | 80 Prozent der kroatischen Bevölkerung trinken Wasser aus unterirdischen Grundwasserleitungen, die durch Grundwasserzufluss, Versickerung von Niederschlägen und teilweise durch Oberflächengewässer gespeist werden. Gleichzeitig gehen bis zu 52 Prozent des Wassers verloren, bevor es die Verbraucher erreicht. | Zudem gehen Hunderte Millionen Kubikmeter Trinkwasser aufgrund eines veralteten Netzes, Rohrbrüche, technischer Verluste, Messungenauigkeiten und häufigen unerlaubten Verbrauchs verloren – durch Wasserdiebstahl. | Der Bericht über den Zustand der Wasserversorgung für das Jahr 2024 zeigt, dass mehr als 528 Millionen Kubikmeter Wasser im öffentlichen Wasserversorgungssystem entnommen wurden, während den Verbrauchern etwa 256 Millionen Kubikmeter in Rechnung gestellt wurden. Die Differenz von 272 Millionen Kubikmetern, die die Bürger nie erreicht haben, wird als „Non-Revenue Water“ (Wasserverlust) verbucht. Diese Menge übersteigt Litauens gesamte Bruttoentnahme, die zwischen 255 und 265 Millionen Kubikmetern pro Jahr liegt. Würde man diesen Wasserverlust in Euro umrechnen, würde dies bedeuten, dass Kroatien jedes Jahr seine lebenswichtigste natürliche Ressource im Wert von rund einer halben Milliarde Euro verliert. | Zwar gehören Kroatiens Versorgungsabdeckung von 94 Prozent und die Trinkwasserqualitätsstandards zu den besten in Europa, doch ist die wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Systems alarmierend instabil und schwindet buchstäblich dahin. Besonders kritisch ist die Lage in der Hauptstadt Zagreb und in Split sowie in den Küstenbezirken, die zudem in den Sommermonaten aufgrund des Tourismus von einem saisonalen Nachfrageschub betroffen sind. Während der Sommersaison wird Kroatien von rund 12 Millionen Touristen besucht – dreimal so viele wie die Bevölkerung des Landes. Istrien war die erste Region in Kroatien, die nach einer außergewöhnlichen Dürre vor vier Jahren Wassersparmaßnahmen während der Tourismussaison einführte. | Meteorologen warnen, dass es höchste Zeit ist, dass sich Kroatien auf die wachsenden Risiken durch Dürren vorbereitet, die unter allen Naturkatastrophen den größten wirtschaftlichen Schaden verursachen und Landwirtschaft, Wasserversorgung, Verkehr, Energie, Tourismus und Aquakultur beeinträchtigen, wobei oft mehrere Sektoren gleichzeitig betroffen sind. | Silvana Menđušić, Reporterin, Telegram |
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| §03 · DER PODCAST | Europa unter Druck: Die zunehmenden Auswirkungen der Dürre | Sie hören lieber zu? Der lensEU-Podcast dieser Woche befasst sich mit der Dürre in Europa, wobei der Schwerpunkt auf Deutschland, Polen und Österreich liegt. | Waldbrände, Ernteausfälle, die Gesundheit von Natur und Mensch: Dürren können fast jeden Aspekt des Lebens bedrohen. In Europa wird dies zu einem immer ernsteren Problem. Doch was bedeutet das eigentlich für unseren Alltag? Für die Wasserversorgung? Für die Wirtschaft? Sind wir darauf vorbereitet? | |
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| Falls Sie die Folge verpasst haben, können Sie sie hier anhören. | Worum ging es in der Folge der letzten Woche? | Millionen Europäer haben Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Nach Angaben der Europäischen Kommission geben 82 Millionen Europäer – jeder Fünfte – mehr als 40 Prozent ihres monatlichen Einkommens für Wohnkosten aus, deutlich mehr als die empfohlene Obergrenze von 30 Prozent. Die Wohnungskrise behindert die berufliche Mobilität, den Zugang zu Bildung und die Familiengründung. Außerdem untergräbt sie die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft und unseren sozialen Zusammenhalt. |
| §04 · AUS DEN REDAKTIONEN |
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