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| Ein wöchentlicher Newsletter, der Europa aus lokalen Perspektiven in den Blick nimmt. Jeden Freitag wird ein Thema von fünf unabhängigen Redaktionen beleuchtet. | | IN DIESER AUSGABE | §01 · Im Fokus — [Zu teuer oder zu knapp? Europa sucht nach Lösungen für seine Wohnraumkrise] §02 · Der lokale Blick — Berlin, Riga, Warschau, Wien, und Zagreb §03 · Der Podcast — Jetzt die neueste Folge anhören und mitdiskutieren §04 · Aus den Redaktionen — Aktuelle Beiträge aus dem Netzwerk von lensEU |
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| §01 · IM FOKUS | Zu teuer oder zu knapp? Europa sucht nach Lösungen für seine Wohnraumkrise | Der erste Wohnraumgipfel der Europäischen Union ist für 2026 geplant. Warum? | Die EU hat beschlossen, die Tatsache nicht länger zu ignorieren, dass Millionen von Europäern Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Laut Daten der Europäischen Kommission geben 82 Millionen EU-Bürger – etwa jeder Fünfte – mehr als 40 % ihres monatlichen Einkommens für Wohnkosten aus, obwohl die empfohlene Obergrenze bei höchstens 30 % liegt. | Wie die Europäische Kommission in ihrem Bericht feststellt, stiegen die Immobilienpreise in der gesamten EU zwischen 2013 und 2023 um mehr als 60 %. In Ländern wie Portugal, Litauen, der Tschechischen Republik, Estland, Ungarn, Bulgarien und Polen stiegen die Preise im Laufe des Jahrzehnts um bis zu 200 %. Im gleichen Zeitraum stiegen die Mietpreise um durchschnittlich 20 %, wobei die Anstiege in den Großstädten deutlich stärker ausfielen. | Gleichzeitig stehen 20 % der Wohnungen leer, während nur 6–7 % des Wohnungsbestands der Europäischen Union aus Sozialwohnungen bestehen. | Die Kommission schätzt, dass in Europa jährlich mehr als zwei Millionen Wohnungen gebaut werden müssen, um den aktuellen Bedarf zu decken. Das sind jährlich rund 650.000 Wohnungen mehr, als derzeit gebaut werden. Die Kosten für diese zusätzlichen Investitionen werden auf 153 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. | Geld allein reicht jedoch nicht aus, um die Wohnungskrise in Europa zu lösen, die die Arbeitskräftemobilität, den Zugang zu Bildung und die Familiengründung erschwert und zudem die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft schwächt. | Brüssel will daher auch die nationalen Behörden bei Lösungen für Probleme im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen und Spekulationen auf dem Wohnungsmarkt unterstützen. Ziel ist es, junge Menschen, Studierende und Auszubildende sowie Beschäftigte in systemrelevanten öffentlichen Diensten – wie Lehrer und Pflegekräfte – zu unterstützen, die es sich nicht mehr leisten können, in den Gemeinden zu wohnen, in denen sie auch arbeiten. Dafür ist als Pilotprojekt ein Bürgschaftsprogramm geplant, das diese Gruppen von der Zahlung einer Mietkaution befreien würde. | Darüber hinaus plant die EU, die Vorschriften für staatliche Beihilfen zu vereinfachen, damit die Mitgliedstaaten den sozialen Wohnungsbau leichter und wirksamer unterstützen können. Außerdem sollen die mit den EU-Wohnbauvorschriften verbundenen Verwaltungslasten verringert werden. | All dies soll noch 2026 in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. | Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, argumentiert, dass die Lösung der Probleme im Zusammenhang mit leistbarem Wohnraum auf europäischer Ebene eine Frage des „Schutzes der Bürger und unserer Werte“ sei. | Es geht aber auch darum, der Radikalisierung der Gesellschaften entgegenzuwirken und die Unterstützung für die extreme Rechte zu verringern, die in immer mehr Ländern an Popularität gewinnt – teilweise angeheizt durch die Wohnraumkrise und oft dadurch, dass Migranten dafür verantwortlich gemacht werden. | Die Wohnraumkrise ist laut den Vereinten Nationen eine der wichtigsten sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die nicht nur Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, Migranten und alleinerziehende Mütter betrifft, sondern zunehmend auch die Mittelschicht. | Werfen wir einen Blick darauf, wie sich die Situation in den einzelnen EU-Ländern unterscheidet: | |
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| | | Berlin · Deutschland · CORRECTIV | Das Pflegepersonal hat europaweit und in Deutschland Schwierigkeiten, sich Wohnraum leisten zu können | Eine europaweite Recherche von CORRECTIV.Europe hat ergeben, dass die Wohnkosten so stark gestiegen sind, dass sich Pflegekräfte in mehr als jeder siebten Gemeinde in der EU sowie in Norwegen, Island und der Schweiz eine bescheidene 45-Quadratmeter-Wohnung weder mieten noch kaufen können. | Die Analyse kombinierte lokale Wohnungsmarktdaten aus fast 100.000 Gemeinden mit regionalen und nationalen Gehaltsdaten für Pflegefachkräfte. | Die Ergebnisse verdeutlichen eine zunehmende Krise, von der systemrelevante Arbeitskräfte und die breite Mittelschicht betroffen sind. Während die Mieten in der EU zwischen 2015 und 2025 um 21,1 Prozent stiegen, legten die Immobilienpreise im Durchschnitt um 63,6 Prozent zu – wobei die Mietsteigerungen in städtischen Gebieten noch höher ausfielen. | Von den hohen Preisen sind noch mehr Menschen betroffen, als es auf den ersten Blick scheint, da teure Gegenden dichter besiedelt sind. Daher lebt mittlerweile mehr als ein Drittel der Europäer in Gebieten, in denen das Gehalt einer Pflegekraft nicht ausreicht, um eine kleine Wohnung zu erwerben. Großstädte und beliebte Touristenziele gehören zu den am wenigsten erschwinglichen Orten. | In Deutschland ist die Situation in den südlichen Regionen und Ballungsräumen besonders akut. In sieben der zehn größten Städte des Landes liegen die Durchschnittsmieten über der allgemein anerkannten Erschwinglichkeitsschwelle von 30 Prozent des Nettoeinkommens für Pflegekräfte. Gesundheitsdienstleister in Freiburg etwa haben zunehmend Schwierigkeiten, Personal zu rekrutieren, da die Beschäftigten keine leistbaren Unterkünfte finden können. | Hier finden Sie den vollständigen Artikel: | https://correctiv.org/en/europe/2026/02/17/housing-cost-1-in-7-eu-municipalities-unaffordable-for-nurses/ | Lillith Grull, CORRECTIV, Deutschland |
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| | Riga · Lettland · TVNET | Jenseits hoher Preise: Lettlands veralteter Immobilienbestand | Das Wohnungsproblem in Lettland betrifft nicht nur hohe Preise oder ein unzureichendes Angebot an neuen Wohnungen. Eine der gravierendsten Krisen ist der alternde Bestand an Mehrfamilienhäusern, insbesondere in den Regionen. In Lettland gibt es rund 39.500 Mehrfamilienhäuser, von denen mindestens 26.600 sanierungsbedürftig sind. Allerdings wurden bisher nur etwa 1.400 Gebäude mit Unterstützung aus EU-Mitteln saniert. Ein großer Teil des Wohnungsbestands wurde vor dem Zweiten Weltkrieg oder während der Sowjetzeit erbaut. | Das Problem ist außerhalb von Riga und den größten Städten am akutesten. Separate Studien zu Standardwohnblocks aus der Sowjetzeit, darunter die Serien 104 und 119, zeigen, dass viele von ihnen zwar baulich nicht unsicher sind, sich jedoch ohne systematische Instandhaltung und Sanierung weitere technische Probleme anhäufen werden. | In den Regionen schrumpft die Bevölkerung, die Wohnungsmärkte sind schwach und die Kaufkraft der Bewohner ist gering. Wenn nur ein Teil eines Wohnblocks bewohnt ist, ist es für die verbleibenden Bewohner praktisch unmöglich, größere Sanierungsarbeiten zu finanzieren. Das Wirtschaftsministerium hat darauf hingewiesen, dass für rund 30 % der Gebäude weitere Investitionen in die Sanierung wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt sind. | Die Situation wird durch steigende Baukosten, teurere Kredite und eine komplexe Bürokratie noch verschärft. Seit 2017 haben sich die Kosten für eine Komplettsanierung pro Quadratmeter vervierfacht. | Lettland steht daher vor einer doppelten Herausforderung: Es muss den Zugang zu leistbarem Wohnraum sicherstellen und gleichzeitig einen Teil seines baulich veralteten Wohnungsbestands erhalten oder ersetzen. | Toms Ostrovskis, TVNET GRUPA, Lettland |
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| | Warschau · Polen · OKO.press | Das eigentliche Problem ist die Kluft der leistbaren Mieten | Die öffentliche Debatte über die Wohnungskrise in Polen konzentriert sich in erster Linie auf die Immobilienpreise. Dies gilt umso mehr, als die polnische Regierung im Jahr 2023 das großzügige Förderprogramm „Sichere 2 %-Hypothek“ einführte, um den Erwerb von Wohneigentum zu erleichtern. Anstatt das Problem zu lösen, hat das Programm jedoch faktisch Öl ins Feuer gegossen. | Gleichzeitig führten jahrelange Niedrigzinsen zu einem erheblichen Zustrom von Investoren und Spekulanten auf den Wohnungsmarkt, was die Preise weiter in die Höhe trieb – ein Faktor, der nicht nur Polen, sondern ganz Europa betroffen hat. | Daten der Polnischen Nationalbank zeigen, dass die Immobilienpreise in den sieben größten Städten des Landes zwischen 2006 und 2024 um 145 % gestiegen sind. | Die Frage ist: Ist das viel? Immobilienpreise lassen sich nicht losgelöst von den Einkommen bewerten. Im gleichen Zeitraum stiegen die Löhne sogar noch stärker als die Immobilienpreise – um 206 %. Paradoxerweise bedeutet dies, dass sich die Möglichkeit, in Polen eine Immobilie zu erwerben, statistisch gesehen seit 2006 eher verbessert als verschlechtert hat. | Und doch besteht kein Zweifel daran, dass Polen eine Immobilienkrise durchlebt. Das Hauptproblem liegt jedoch woanders. | Nicht jeder muss sich ein eigenes Haus leisten können. Viele Menschen können sich jedoch auch keine geeignete Mietwohnung leisten, weil ihr Einkommen zu gering ist. Gleichzeitig verdienen sie zu viel, um Anspruch auf Sozialwohnungen zu haben. Der einfache Grund dafür ist, dass es viel zu wenige davon gibt. | Die Finanzierungslücke bei Mieten wird in Polen auf 35 % geschätzt. Bei Alleinerziehenden und Familien mit zwei Elternteilen und drei oder mehr Kindern kann sie bis zu 60 % betragen. | Agata Kołodziej, OKO.press, Poland |
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| | Wien · Österreich · Die Presse | Wohnkosten: Junge am stärksten belastet | Österreich wächst – statistisch gesehen nicht an Kindern oder jungen Einwanderern, sondern an über 60-Jährigen. Seit 2005 um 40,8 Prozent. Im Vergleich: Die Bevölkerungsgruppe unter 30 Jahren wuchs um 0,1 Prozent. In Kombination mit dem Wohnmarkt zeigt sich eine wachsende Schieflage an Platz- und Kostenaufteilung, wie in den Daten der Statistik Austria (Präsentation: 10.6.2026) ersichtlich wurde. | So wuchs etwa die Zahl der Einpersonenhaushalte (EPH) in den letzten 20 Jahren von 34,5 auf 39,1 Prozent. Unter 30-jährige EPH leben dabei zu 80,3 Prozent zur Miete und auf rund 57,6 Quadratmetern, über 60-Jährige haben durchschnittlich 87 m2 zur Verfügung und leben zu 42,5 Prozent in Miete. | Verschont von steigenden Wohnkosten bleibt niemand. „Dabei war das Plus bei Mietwohnungen mit knapp 40 Prozent (zwischen 2015 und 2025, Anm.) am höchsten“, so Manuela Lenk, die Generaldirektorin der Statistik Austria. | „Insgesamt zeigt sich das Verhältnis von Miete und Eigentum ausgewogen“, erläuterte Arba Rexhepi, Projektleiterin Wohnen bei der Statistik Austria. „Rund 47,3 Prozent der österreichischen Haushalte lebten 2025 in Eigentum, wobei der Großteil mit 35,5 Prozent auf Hauseigentum entfällt.“ Zur Miete leben 43,1 Prozent. Dabei war die private Hauptmiete mit 19,5 Prozent am häufigsten. Die restlichen Hauptwohnsitzwohnungen (9,7 Prozent) entfielen auf sonstige Rechtsverhältnisse. | Aus der Statistik geht auch hervor, dass weniger gebaut wird. So ist die Zahl der bewilligten Wohnungen 2025 im Vergleich zum Jahr zuvor um 3,7 Prozent zurückgegangen. | Hier finden Sie den vollständigen Artikel: | https://www.diepresse.com/29242927/wohnen-2025-junge-und-ein-eltern-haushalte-am-meisten-blelastet | Daniela Mathis, Die Presse, Austria |
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| | Zagreb · Kroatien · Telegram.hr | Wer braucht schon mehr als 18 Quadratmeter? | Selten waren die Bemühungen einer Regierung, die Lösung eines zentralen sozialen Problems zu beeinflussen, so aufschlussreich wie das Engagement der kroatischen Regierung im Bereich des leistbaren Wohnraums. Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. | Zunächst zum Kontext: Allein im vergangenen Jahr stieg der Quadratmeterpreis für Wohnraum in Kroatien um 14,1 Prozent, was nicht nur den mehrjährigen Trend steigender Wohnkosten fortsetzte, sondern auch die jährliche Inflationsrate beschleunigte. Im vergangenen Jahr trat zudem der Nationale Wohnbauplan in Kraft – ein Dokument, für dessen Ausarbeitung die kroatische Regierung sechs Jahre gebraucht hatte, obwohl sie stets betonte, dass „die Wohnungspolitik im Mittelpunkt der Sozialpolitik der Regierung steht“. | Seit Inkrafttreten des Regierungsplans für leistbaren Wohnraum ist der Durchschnittspreis für eine 50 Quadratmeter große Wohnung in Zagreb allein in der Zeit, die man zum Lesen dieses Textes benötigt, um etwa vier Cent gestiegen. Um es noch anschaulicher zu machen: Das sind 65 Euro pro Tag. An jedem einzelnen der 365 Tage im Jahr. | Mit demselben Plan beabsichtigte die Regierung, die Erschwinglichkeit von Wohnraum zu verbessern, indem sie einen Teil der Miete an private Vermieter zahlte. Der zuständige Minister kündigte an, dass bis 2030 bis zu 30.000 Wohnungen in dieses Programm aufgenommen werden könnten. Der Nationale Plan selbst ist mit 9.000 Immobilien etwas zurückhaltender. | Insgesamt haben sich 960 Immobilienbesitzer auf die öffentliche Ausschreibung der Regierung beworben. Nur 435 erfüllten die Kriterien für die Teilnahme am Programm. | Die Regierung hat jedoch noch ein Ass im Ärmel. Sie treibt den Bau spezieller Wohneinheiten für junge Menschen voran. Für eine Person werden diese jeweils 18 Quadratmeter groß sein, für zwei Personen 26 Quadratmeter. Wenn man die Preise nicht senken kann, reduziert man einfach die Wohnfläche, und voilà, schon hat man bezahlbaren Wohnraum! | Jasmin Klarić, Telegram.hr, Croatia |
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| §03 · DER PODCAST | Für alle, die lieber zuhören als lesen, haben wir einen Podcast zur Wohnraumkrise in Europa vorbereitet. Lilith Grull von CORRECTIV.Europe erläutert ausführlich ihre Recherche über die Wohnraumsituation für Pflegekräfte. Wir erfahren dabei unter anderem, warum eine Pflegekraft an ihrem ersten Arbeitstag in einer deutschen Klinik mit einem Koffer erschien und warum diese Klinik eine Immobilienagentur beauftragen musste. | Agata Kołodziej von OKO.press analysiert den Wohnungsmarkt in Warschau, einer Stadt mit mehr als zwei Millionen Einwohnern, und in Kielce, wo rund 200.000 Menschen leben. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Wohnungspreise an beiden Orten langsamer gestiegen sind als die Löhne. Darauf aufbauend stellt Agata die Hypothese auf, dass das eigentliche Problem in Polen weniger an den Wohnungspreisen selbst liegen könnte. | Artūrs Guds von TVNET aus Lettland erläutert die Unterschiede zwischen den Wohnungsmärkten in Westeuropa und in den baltischen Staaten, die den Sozialismus sowjetischer Prägung erlebt haben. Unterdessen stellt Irena Frlan Gašparović von Telegram.hr aus Kroatien eine rhetorische Frage: Warum hat Kroatien den höchsten Anteil an jungen Menschen, die noch bei ihren Eltern leben? | |
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| §04 · AUS DEN REDAKTIONEN |
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